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20.10.2026 MUTEC

Gemeinsam handlungsfähig bleiben!

Sicherheit, gesellschaftliche Verantwortung und internationale Zusammenarbeit: ICOM Deutschland nutzt die MUTEC 2026 als Ort, um zentrale Fragen der Museumswelt zu diskutieren. Im Interview mit Geschäftsführerin Anastasia Ziegler geht es um den Umgang mit Cyber-Kriminalität, Klimarisiken und weiteren Bedrohungen, die Museen weltweit vor neue Herausforderungen stellen. Ein Interview darüber, warum Museen gerade in polarisierten Zeiten als Räume für Dialog, Teilhabe und Zusammenhalt gefragt sind und wie sie im Austausch ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.

Frau Ziegler, ICOM Deutschland ist auch 2026 ein wichtiger Partner der MUTEC und nutzt die Messe für zahlreiche Aktivitäten – vom eigenen Fachprogramm über die Mitgliederversammlung bis zum Empfang. Was macht die MUTEC für ICOM Deutschland zu einem wichtigen Ort des Austauschs – und welche Impulse möchten Sie von Leipzig aus in die Museumswelt tragen?

Alle zwei Jahre ist die MUTEC ein fester Termin im Kalender der Kultur- und Museumscommunity. Fachleute, Verbände und Institutionen kommen in Leipzig zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Museums- und Ausstellungstechnik sowie – im Verbund mit der Nachbarmesse denkmal – über Fragen der Denkmalpflege und Restaurierung zu informieren. Gleichzeitig bietet die MUTEC Raum, drängende Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsame Positionen zu entwickeln. Themen wie Sicherheit und Resilienz stehen dabei ebenso im Fokus wie die wachsende internationale Vernetzung.

Als größter deutscher Museumsverband sind wir Teil eines weltweiten Netzwerks, das von Austausch und Kooperation lebt. Wir verstehen uns als Brücke zwischen lokalen Herausforderungen und globalen Entwicklungen. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen aus Museen, anderen Verbänden und Kulturinstitutionen sind daher für unsere Arbeit unverzichtbar. Wir freuen uns über die Fortsetzung unserer Partnerschaft mit der MUTEC 2026 und unsere Mitwirkung beim internationalen MUTEC Award. Darüber hinaus arbeiten wir auch diesmal wieder eng mit dem Deutschen Museumsbund zusammen – weil gute Interessenvertretung eine gemeinsame Sache ist.

Der ICOM-Beitrag auf dem diesjährigen MUTEC-Forum beschäftigt sich mit dem Thema „Sicherheit für Museen im Zeitalter der Cyber-Kriminalität“. Cyberattacken wie Ransomware-Angriffe stellen Museen, Bibliotheken und Archive zunehmend vor große Herausforderungen und können sowohl für kleine als auch für große Einrichtungen weitreichende und langfristige Folgen haben. Wie hat sich unser Verständnis davon, was Sicherheit in der Museumswelt bedeutet, in den vergangenen Jahren verändert?

Unser Verständnis von Sicherheit hat sich deutlich erweitert. Neben dem Schutz von Menschen, Gebäuden und Sammlungen geht es heute darum, Museen auf ganz unterschiedliche Bedrohungen vorzubereiten – von Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel begünstigt werden, und technischen Defekten bis hin zu Vandalismus und gezielten Angriffen. Zunehmend wichtig wird dabei die digitale Sicherheit. Cyberattacken können nicht nur Daten und IT-Systeme gefährden, sondern den gesamten Museumsbetrieb langfristig beeinträchtigen. Sicherheit bedeutet deshalb heute, physische und digitale Risiken gleichermaßen ernst zu nehmen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und gezielt vorzusorgen. Entscheidend ist, die Widerstandsfähigkeit der Einrichtungen zu stärken, damit sie auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben. Wir sind sehr gespannt auf den Austausch zu diesem wichtigen Thema mit den Fachexpert:innen im MUTEC-Forum, eine hochaktuelle Diskussion, die von unserem Vorstandsmitglied Prof. Dr. Stefan Simon, Direktor des Rathgen Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin, initiiert und kuratiert wurde.

Was sind weitere Themen, die die Häuser in Deutschland derzeit beschäftigen? Wo sehen Sie aktuell den Handlungsdruck?

Die bereits angesprochene Frage zur Sicherheit von Museen ist ein zentrales Thema. Darüber hinaus stehen Museen national wie international vor zahlreichen weiteren Herausforderungen. Weltweit beobachten wir politische Verschiebungen und eine zunehmende Polarisierung, eine Entwicklung die auch das ICOM-Jahresthema „Museums Uniting a Divided World“ aufgreift. Auch in Deutschland stellt sich die Frage, welche gesellschaftliche Rolle Museen einnehmen und wie sie ihre Unabhängigkeit sowie ihre Freiheit in der Ausstellungs-, Forschungs- und Vermittlungsarbeit bewahren können. Gleichzeitig verschärfen Diskussionen um Förderung und Finanzierung den Druck auf viele Häuser und schränken ihre Spielräume ein. Als Museumsverband sehen wir uns dabei in der Verantwortung, die Entwicklung aufmerksam zu begleiten, Position zu beziehen und uns für die Interessen und die Stärkung der Museen einzusetzen.

Unmittelbar nach der MUTEC findet die Jahrestagung von ICOM Deutschland in Kooperation mit ICOM CECA (International Committee for Education and Cultural Action) in Jakarta statt. Worin besteht der gemeinsame Nenner, wenn die Museumsbranche zu einem internationalen Treffen zusammenkommt angesichts deutlich unterschiedlicher gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen?

Unsere diesjährige Jahrestagung ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation. Als Partner von ICOM CECA veranstalten wir die Fachtagung unmittelbar nach der MUTEC vom 10.-14. November in Jakarta. Unter dem Titel „Museums in Divided Times: How to foster Dialogue, Care and a Sense of Belonging?“ widmen wir uns der Frage, wie Museen durch inklusive und empathische Vermittlungsarbeit gesellschaftliche Spaltungen überwinden und echte Dialogräume schaffen können. Der Leitgedanke von ICOM – „Museums have no borders, they have a network“ – bildet dabei den programmatischen Rahmen. Es freut uns, dass zahlreiche Mitglieder von ICOM Deutschland vor Ort mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsbeiträgen mitwirken werden. Besonders freut uns auch die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Jakarta: Am 13. November organisieren wir dort eine Session, in der wir von indonesischen Museumsinitiativen und -projekten lernen möchten und die Rolle von Museen und Kulturdiplomatie in einer zunehmend polarisierten Welt reflektieren. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, wird es von unserer Session am 13. November einen kostenfreien Livestream geben.

Auf der MUTEC wiederum wird ICOM Polen mit vertreten sein. Welche Impulse erwarten Sie, von denen deutsche Museen Ihrer Meinung nach im November in Leipzig werden lernen können?

Internationale Perspektiven sind immer wertvoll, denn sie ermöglichen uns, eigene Ansätze zu hinterfragen und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Die Teilnahme von ICOM Polen an der MUTEC freut uns deshalb sehr. Besonders spannend ist, dass sich unsere polnischen Kolleg:innen ebenfalls mit Fragen der Sicherheit beschäftigen. Gerade hier können unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven wichtige Impulse geben.

ICOM Deutschland engagiert sich in diesem Jahr noch stärker für den MUTEC Award. Woran erkennen Sie, ob eine Ausstellung oder ein Museumsprojekt nicht nur gut gestaltet sind, sondern wirklich neue Maßstäbe setzen?

Wenn eine Ausstellung mich gut informiert, berührt und ich zeitgenössische und kritische Bezüge zur Gegenwart und möglichen Zukünften erkenne, begeistert mich das. Die Frage, ob eine Ausstellung oder ein Museumsprojekt neue Maßstäbe setzen kann, sollte man und mit Blick auf den MUTEC Award der Jury stellen. Sie hat die diesjährigen Einreichungen mit hoher fachlicher Expertise bewertet.

Wenn Sie am Freitag, dem 06. November die Leipziger Messe verlassen – was muss auf der MUTEC geschehen sein, damit Sie sagen „Wenn es so läuft, dann kommen wir gestärkt aus den Krisen heraus“?

Wir haben bei der vergangenen MUTEC das Thema Krisen diskutiert und dabei gelernt, dass sie auch Chancen bieten, neue Wege zu gehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Genau dafür braucht es Austausch, Vernetzung und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zu diskutieren. Zuhören, miteinander sprechen, voneinander lernen und solidarisch handeln – diesen Weg werden wir als ICOM Deutschland weitergehen.

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