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Mit dem Musa Guide den Messebesuch neu entdecken
Wie hilft ein digitaler Guide dabei, aus der Vielfalt einer Messe genau die passenden Impulse zu finden? Musa Guide entwickelt gemeinsam mit der Leipziger Messe einen mehrsprachigen Begleiter für die MUTEC 2026 – mit interaktivem Hallenplan, Programmübersicht, Merkliste und vor allem - KI-gestützten Empfehlungen. Im Interview erläutert Christoph Renschler, einer der beiden Gründer von Musa Guide, was er aus dem Einsatz des Guides auf der MUTEC lernen möchte und weshalb gute Geschichten in Zeiten von KI wichtiger werden.
Herr Renschler, wofür steht Musa Guide und welche Lösungen bieten Sie Museen und Ausstellungshäusern an?
Eine gute Führung geht auf ihre Gäste ein. Wir glauben, dass jedes Haus das allen bieten kann, ohne ein Großprojekt zu stemmen. Musa Guide macht aus vorhandenen Inhalten einen Audioguide oder eine Familienrallye auf dem Smartphone der Gäste, im Haus wie im Freien. Das Museum entscheidet, was erzählt wird, und passt es jederzeit selbst an. Auf Wunsch beantwortet eine KI Fragen in der jeweiligen Sprache, auf Basis der geprüften Inhalte. Musa Guide kam bisher in sieben Häusern auf drei Kontinenten zum Einsatz, mit 60.000 bis 600.000 Besuchen im Jahr.
Welche Produkte und Anwendungen präsentieren Sie auf der MUTEC 2026 und was können Besucher:innen an Ihrem Stand konkret kennenlernen oder ausprobieren?
An beiden Messetagen halten wir je einen Vortrag. Am 5. November um 11:30 Uhr sprechen wir in der Pitch Area über „Vom Besucher lernen: Wie KI Museen näher an ihr Publikum bringt“, am 6. November um 13:30 Uhr im Ausstellerforum über „Die kuratorische Stimme im Zeitalter der KI“. Dabei stellen wir Ergebnisse unserer Besucherumfrage und Erfahrungen aus unseren Projekten vor. An unserem Stand F15 zeigen wir, woran wir gerade arbeiten, und laden dazu ein, unsere Guides direkt auf dem eigenen Smartphone auszuprobieren. Neu ist in diesem Jahr der MUTEC-Guide, den wir gemeinsam mit der Leipziger Messe entwickelt haben. Mit ihm können Besucherinnen und Besucher ihren Messebesuch planen und sich vor Ort zurechtfinden.
Welchen konkreten Mehrwert soll die Anwendung den MUTEC-Besucher:innen während ihres Messebesuchs bieten?
Wir haben den Guide für zwei Situationen entwickelt, die Planung vor der Messe und die Orientierung vor Ort. Der interaktive Hallenplan zeigt alle Stände, außerdem ist das Programm aller Vortragsflächen hinterlegt. Wer etwas Bestimmtes sucht, kann dem Guide eine Frage stellen und bekommt passende Aussteller und Vorträge vorgeschlagen. Was man auf keinen Fall verpassen möchte, lässt sich vorab auf einer Merkliste festhalten und ist auf der Messe dann sofort zur Hand. Den Guide gibt es in sieben Sprachen, darunter Polnisch und Chinesisch, damit ihn auch internationale Gäste nutzen können.
Was möchten Sie selber mit diesem gemeinsamen Projekt auf der MUTEC erstmals ausprobieren bzw. welche Erkenntnisse möchten Sie daraus für die weitere Entwicklung Ihres Produkts gewinnen?
Die MUTEC ist die erste Messe, auf der unser Guide im Einsatz ist. Auf Messen ist man schnell überfordert. Es gibt viele Stände, und auf mehreren Bühnen laufen parallel Vorträge. Neu ist für uns auch, dass es keinen festen Rundgang gibt. Im Museum führen wir meist durch eine Erzählung, hier erkundet jeder frei. Wir wollen herausfinden, ob der Guide hilft, in dieser Fülle das Richtige für sich zu finden. Und uns interessiert, wie viel eine Messe aus dem Verhalten ihres Publikums lernen kann, um das Messeerlebnis künftig besser zu gestalten.
Wie verändern digitale Technologien und KI das Besuchserlebnis aus Ihrer Sicht?
Mit KI können Besucherinnen und Besucher genau dann nachfragen, wenn sie neugierig werden. Laut unserer Umfrage aus dem Frühjahr hat rund ein Drittel der erwachsenen Museumsbesucher in den letzten zwölf Monaten eine KI wie ChatGPT zu Museumsinhalten befragt, die meisten von ihnen direkt im Museum. Auf Dauer verändert KI wohl auch, wie wir Menschen uns selbst sehen. Lange haben wir uns über unseren Verstand definiert. Evolutionär gesehen ist logisches Denken aber recht jung, und dass Maschinen es gut beherrschen, sollte uns kaum überraschen. Je mehr KI uns davon abnimmt, desto klarer wird, was uns darüber hinaus ausmacht. Wenn korrekte Antworten überall zu haben sind, zählt umso mehr, wem wir zutrauen, das Wichtige für uns auszuwählen und gut zu erzählen. Das tun Museen seit jeher. Richtige Fakten sind das eine. Die richtigen Fakten das andere.
Auf welches Projekt von Musa Guide, dass Sie bislang umgesetzt haben, sind Sie besonders stolz – und warum?
Besonders stolz sind wir auf Projekte, die sprachlich schwieriger waren und bei denen wir nicht wussten, wie die Menschen dort reagieren, etwa in Hongkong oder Guatemala. Ins Museo Miraflores in Guatemala-Stadt kommen Gäste aus aller Welt, von China bis Europa. Mit dem Guide können sie in ihrer Sprache tiefer in die Geschichte der Maya eintauchen, und das Museum hat eine neue Einnahmequelle erschlossen. Für dieses Projekt haben wir beim blooloop Innovation Award 2025 den ersten Platz in der Kategorie Guest Journey belegt. Schön ist auch zu sehen, wie viel das Team dort seitdem aus den Fragen der Gäste gelernt und den Guide eigenständig um neues Wissen erweitert hat. Ebenso stolz sind wir auf unsere Projekte im deutschsprachigen Raum, etwa auf den Audioguide der Max Pechstein Stiftung zur Ausstellung im Lentos Linz und auf den Guide im Lokschuppen Rosenheim. Im Lokschuppen war die Hälfte der Gäste mit Guide länger als 80 Minuten unterwegs, rund viermal so lang wie ein typischer Ausstellungsbesuch.
Worauf freuen Sie sich bei der MUTEC 2026 am meisten?
Vor allem auf die Gespräche, mit Kolleginnen und Kollegen aus Museen genauso wie mit anderen Ausstellern. Und wir freuen uns darauf, selbst durch die Halle zu gehen und Menschen zu begegnen, die den MUTEC-Guide in der Hand haben.